Claudia E. Schmitt, Plastik, "Rad", 2008, Ziegel und Mörtel, ca. 120 x 300 x 80 cm
Plastik, "Rad", 2008
Claudia E. Schmitt
Plastik, "Rad", 2008
Ziegel, Mörtel, Moniereisen, ca. 120 x 300 x 80 cm
1. Symposion "Gipfelkunst am Schaumberg"
Tholey, Schaumberg, Herzweg
Auch die Arbeit von Claudia Schmitt greift das Kreismotiv auf, wenn auch nur in Andeutung - der aus Ziegelsteinen gemauerte Bogen ist laut Definition ja ein Teil einer Kreislinie, die nur als Segment wahrgenommen wird.
Der Kreis als Symbol für den Kreislauf in der Natur ist evident. Aber im Unterschied zu der Arbeit von Rathje ist ja nur ein Teil des Kreises zu sehen, der zudem die Vertikalstellung des Kreises suggeriert. Diese Stellung lässt auch an ein Rad denken: eine kreisrunde Scheibe mit einem Loch (Bohrung) im Zentrum ist die einfachste Ausführung eines Rades. Doch erst das Aufstecken dieser Scheibe auf einen Stab (Achse) macht daraus ein bewegliches Teil. Hierfür gab es in der Natur kein erkennbares Vorbild.
Mit dieser Konnotation letztlich als Element der Technik, Teil einer Maschine, ordnet sich das Rad als Menschenwerk ein: das Material, alte Ziegelsteine, sind von Menschen handgefertigt, weisen es ja zudem als Menschenwerk aus und rufen Begriffe wie Alter, Geschichte, Tradition auf.
Aber noch einmal: Nur zum kleinen Teil scheint ein Rad aus dem Erdboden zu ragen.
In der Arbeit von Schmitt zeigt sich ein sehr enges Ineinander-, Miteinander- und/oder Gegeneinanderwirken zwischen Natur und Menschenwerk. In welcher Weise bleibt offen: erhebt sich das Rad durchbrechend aus der bergenden oder fesselnden Erde; verschlingt die Erde das Rad oder gebiert sie es; dreht sich das Rad?
Jede Deutung oder mehrere sind möglich.
Diese zunächst so ruhig wirkende Arbeit strahlt eine verhaltene aber äußerst intensive Spannung aus - ja, es entsteht ein Kraftfeld, das sich aus dem Zusammenspiel zweier starker Antipoden speist.
An ein anderes Rad ließe sich auch denken: Das Rad der Fortuna, an das Rad des Schicksals oder das Rad des Lebens, das eine Macht repräsentiert, die alles lenkt und in Bewegung hält, wie es wohl am eindringlichsten in Carl Orffs Fassung der Carmina Burana interpretiert wird:
O fortuna imperatrix mundi
O fortuna / velut luna / statu variabilis semper crescis aut discrescis.
Bibliografie
Michael Jähne
letzte Änderung: Mittwoch, 25.11.2009